Nicht erst seit gestern rätseln viele Schachfreunde über ein Schachbuch, von dem niemand weiß, ob es noch nicht erschienen oder ob es schon wieder vergriffen und verschollen ist: „Dr. Ebners Felderschwächen“, vor etwa 50 Jahren vielfach angekündigt und besprochen, ist stets ein Mythos geblieben. Ob es einen Dr. Ebner tatsächlich gegeben hat oder dieser Name nur ein Pseudonym war, werden wir wohl nie erfahren. In mündlicher Überlieferung sind die Spuren aber vielfach nachzuzeichnen, die Quellen oft hochprozentig sprudelnd.
Wie schon der Mythos im Altertum von der „Achillesferse“ als der Schwachstelle des Helden erzählt, sich später dann wiederholt in der vom Eichenblatt verdeckten Stelle zwischen den Schulterblättern des im Drachenblut badenden Siegfried, so erzählt dem Schach-Maniaken heutiger Tage die „Felderschwäche“ von ebensolchem wunden Punkt im heroischen Konzept. Ein strategisch dominierender, auch nicht selten schon taktisch entscheidender Springer oder sonst ein Ungetier des Feindes nistet bevorzugt im schwachen Felde. Als derartiger Nistplatz wäre die Felderschwäche geradezu Garant für die Artenvielfalt – täte sie nicht weh, richtig weh. Manche Besserwisser wollen sogar meinen: unnötig weh, doch wissen sie ebner, äh, eben nur besser und noch lange nicht das Beste. Dieses Beste bildet das Geheimnis der Kraft der Felderschwäche, wie sie in dem leider verschollenen esoterischen Werk des nicht minder verschollenen Autors dargelegt worden sein soll.